Sieben Mythen & Bräuche der Rauhnächte
1. Man soll in den Rauhnächten keine Wäsche aufhängen
In der nordischen Mythologie streift in diesen Nächten die Wilde Jagd über das Land. Ein gewaltiger Zug uralter Kräfte, angeführt von Frau Holle oder Perchta und Odin als Schimmelreiter. Es heißt, sie jagen durch stürmische Winternächte, laut, wild, ungebändigt. Man mied in dieser Zeit das Freie, schloss die Türen... und ließ vor allem keine Wäsche draußen hängen. Die Vorstellung war, dass sich das Heer der Geister in den Tüchern verfangen könnte. Oder, je nach Überlieferung, dass die Wäsche später als Leichentuch zurückkehrt. Also ließ man alles drinnen und verhielt sich still.
2. Vor den Rauhnächten muss Ordnung einkehren
Die Wilde Jagd liebt Chaos. Deshalb wurde früher vor Beginn der Rauhnächte gründlich aufgeräumt, geputzt und die gesamte Wäsche gewaschen. Man sagte: Wer in diesen Tagen innerlich und äußerlich klar ist, empfängt die Botschaften der geistigen Welt leichter.
Und genau dafür sind auch die aktuell laufenden => Sperrnächte gedacht – sie helfen, das alte Jahr bewusst abzuschließen.
3. Kein Rad dreht sich
Die zwölf Rauhnächte sind jene zwei mal sechs Tage, die aus der Zeit fallen, weil Mond- und Sonnenjahr nicht übereinstimmen. Diese „Lücke“ wurde zu einer heiligen Pause, in der das Rad des Jahres stillsteht.
In dieser Zeit weben die drei Nornen – Anbeth, Wilbeth und Borbeth – am Schicksalsfaden des kommenden Jahres. Um ihre Arbeit nicht zu stören, ruhten alle Räder im Haus, besonders Spinnräder und Webstühle. Man zog sich zurück, verbrachte Zeit miteinander und ließ das Jahr ausklingen.
4. Räuchern – schon im Wort Rauhnächte verborgen
Das Wort „Rauh“ wird oft mit dem mittelhochdeutschen rouch = Rauch / Räuchern verbunden. Passend dazu gehörte das Ausräuchern von Haus, Stall und Hof zu den wichtigsten Ritualen dieser Zeit. Gerne nutzte man Harze und Kräuter wie Weihrauch, Wacholder, Beifuß, Myrrhe, Tannen- und Kiefernharz, um Schutz und Klarheit ins Haus zu bringen. Die Familie ging mit Räucherpfanne und Gebeten durch alle Räume – bis hinaus an die Grenzen des eigenen Landes. Eine andere Form des Räucherns ist das, vor allem aus dem Erzgebirge bekannte, Räuchermännchen.
5. Jede Rauhnacht zeigt einen Monat des kommenden Jahres
Jede der zwölf Nächte steht symbolisch für einen Monat im neuen Jahr. Was in diesen Tagen geschieht – vom Wetter über Begegnungen bis hin zu Träumen – galt als Hinweis auf das, was kommt. Mein Opa, Du kennst die Geschichte vielleicht, hat in dieser Zeit ständig Wetterbeobachtungen notiert. Und er war überzeugt: Wenn etwas zu Bruch geht, deutet es auf eine Trennung hin.Diese besondere Offenheit zwischen den Welten hat auch das Orakeln geprägt. Früher las man z. B. aus Gänsemägen die Fruchtbarkeit des kommenden Jahres. Heute greifen viele zu Tarotkarten oder anderen Orakeldecks.
6. Perchtenläufe - Lärm gegen das Dunkle
In der letzten Rauhnacht (5./6. Januar) ziehen in vielen Alpenregionen die Perchten durch die Straßen. Mit Glocken, Trommeln, Schellen und Ruten treiben sie symbolisch das Dunkle des alten Jahres aus. Die Masken wirken oft schaurig, aber ihre Absicht ist freundlich: Sie sollen Glück bringen, Fruchtbarkeit fördern und Krankheiten vertreiben. Selbst das Silvesterfeuerwerk hat hier seine Wurzeln.
7. Segnen der Häuser
Mit dem ersten Morgengrauen des sechsten Tages schließen sich die Tore zwischen den Welten. Die Rauhnächte sind vorüber. Den drei Nornen Anbeth, Wilbeht und Borbeth wird für die gute Arbeit gedankt, die sie geleistet haben. Dank ihrer Spinn- und Webkünste war das neue Jahr gesichert und die Häuser wurden gesegnet. Zum Dank und zur Wertschätzung wurden die Namen der Nornen als Segen über die Türen geschrieben. Später hießen die drei Nornen dann Katharina, Margareth und Barbara, woraus später im Christentum die heiligen drei Könige Kaspar, Melchior und Baltasar wurden.
Heute wie damals empfangen wir den Segen der Drei und schreiben ihre Initialen über unsere Türen.
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