Die Phasen einer Ayurvedakur
Nach einem Tag Eingewöhnung beginnt relativ schnell die Phase der inneren Reinigung, die etwa zehn bis zwölf Tage dauert. Viele Ayurvedakuren arbeiten dabei mit dem Trinken von Ghee (geklärter Butter) - davon blieb ich glücklicherweise verschont. Stattdessen durfte ich zehn Tage verschiedene Varianten von Vasti erleben. Wer wissen möchte, was das genau ist... Google hilft gern weiter. 😉
Danach folgten drei Tage mentales Clearing mit Shirodhara. Bevor es zum Abschluß in die finale Aufbauphase ging - das ist der genussvollste Teil einer Ayurvedakur 🧡.
Das Schachbrett auf meiner Stirn
Am Morgen des ersten Shirodhara passierte dann das mit meiner Stirn. Längs- und Querfalten überall - wie ein kleines Schachbrett. Ich war irritiert, vergaß es aber im Strom des Tages wieder. Erst beim Umziehen zur Behandlung sah ich es erneut.
Beim Shirodhara läuft über längere Zeit ein warmer Ölstrahl über die Stirn - eine unglaublich intensive Behandlung für das Nervensystem. In den vergangenen Jahren hatte ich währenddessen viele Emotionen. Dieses Mal hatte ich mir vorgenommen, bewusst Dankbarkeit zu üben. Noch bevor ich da richtig reinkam... erkannte ich ein Muster in all meinen Beziehungen. Es war plötzlich so klar, dass ich mich fragte, warum ich 57 Jahre alt werden muss, um das zu erkennen 🙄.
Auch die folgenden zwei Shirodhara vergingen nicht ohne Tränen. Doch sie waren wirklich sehr reinigend und haben mir etwas sehr Wertvolles gezeigt. Das Schachbrett auf meiner Stirn verschwand dann einen Tag später von ganz allein wieder. Und ich hatte das Gefühl, die richtigen Züge♟️♟️ in meinem eigenen Spiel 🎲 gemacht zu haben. Möge die Königin in mir die Züge des Lebens weiterhin gut erkennen 🙏.
Unter ständiger Beobachtung
Hier steht man ständig unter den wachsamen Augen der Ärzte und Therapeuten. Eine der häufigsten Fragen lautet: „Did you have any bubble moments?“ - die diskrete Nachfrage nach dem Stuhlgang... die dann weniger diskret um Farbe, Form und Häufigkeit ergänzt wird 😆.
Außerdem wird ständig... Blutdruck gemessen... der Puls gefühlt... nach dem Schlaf gefragt... und sich nach dem allgemeinen und speziellen Befinden erkundigt.
Einmal bestellte ich mir abends einen Lemon Juice. Nach nicht einmal zwei Schlucken stand plötzlich die Ärztin neben mir und fragte streng „Why are you drinking lemon juice?“. Der Kellner bekam eine Standpauke und mein Glas verschwand. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass mir in diesem Leben hier nie wieder jemand Lemon Juice servieren wird 😂. Ich habe bis heute keine Ahnung, wie sie das so schnell erfahren hat.
Trataka - Augenyoga
Eine neue und interessante Erfahrung war Trataka, eine Form des Augen-Yoga. Dabei sitzt man u.a. in einem komplett dunklen Raum und schaut etwa zwanzig Minuten lang auf eine Kerzenflamme - möglichst ohne zu blinzeln. Hast Du das schon einmal ausprobiert? Es ist erstaunlich intensiv.
|